Ich bin Baujahr 1950 und lebe in Lucklum. Nanu, Sie kennen Lucklum nicht? Ein kleines Nest mit immerhin 300 Einwohnern, am Rand des Elms, das von den Mythen seiner Vergangenheit lebt. Hier gab es einst die berühmt-berüchtigte Kneipe „Das Schlucklum“, eine Hochburg der Hippie-Kultur. Dort konnte man mich oft finden, hineingeworfen in eine Zeit, die alles Bestehende in Frage stellte und nach neuen Werten suchte. Heute sieht man mich des Öfteren in der Wegwarte, dem seriösen Folgemodell des Schlucklum, die vom selben Wirt betrieben wird. Nach 20 Jahren in München, Studium der Theaterwissenschaft und Schaupielausbildung, zog es mich zurück in meine ehemalige Heimat. Hier lebe ich jetzt seit Beginn des 21. Jahrhunderts und arbeite als Kommunikationstrainer, Schauspieler und Autor, der hier auf dem Land das Schreiben für sich entdeckt hat. Es begann 2002 mit Edutainment-Projekten über Novalis, der 1784 etwa ein Jahr lang in Lucklum gelebt hat. Es folgte 2005 ein Theaterprojekt zum Thema „Zeit“, dass bis jetzt immer mal wieder gespielt wird. Seit 2006 arbeite ich mit dem Musiker Vlady Bystrov zusammen, mit dem ich unter anderem ein Gottfried Benn Projekt entwickelte, dass 2013 unter dem Titel „Gottfried Benn - Ein Arzt packt aus“ zum Themenjahr des 1. Weltkrieges in Braunschweig optimiert wurde. 2002 spielte ich mit Kändler-Texten in der Gruppe „Triebe“, führte 2007 Regie bei der Brunsviga-Operette „Im weißen Rössl“, spiele ab und an kleine Rollen im TV, spreche in Hörspielen, leitete eine kleine Theatergruppe und gastiere momentan im lokalen Umfeld mit Lesungen, die ich zusammen mit dem Musiker Karl Haak unter dem Titel „Idylle“ gestaltet habe. Den Zuhörern gefällt es. Immer wieder wurde ich gefragt, ob man die Texte irgendwo nachlesen kann. Jetzt kann man.